
Knut Hüller
Immer mühsamer hält sich die Profitrate
Eine Studie über theoretische und praktische
Rettungsversuche am Spätkapitalismus
Format: 14.8×21, brosch.
ISBN: 978-3-903658-02-8
Erscheint voraussichtlich: Juli 2026
Die Politische Ökonomie versteht sich als Wissenschaft des Kapitalismus. Doch was, wenn sie zugleich Teil ihres Gegenstandes ist – und dessen Widersprüche, Denkformen und Rechtfertigungsstrategien reproduziert? Verträgt sich ein solcher Dualismus überhaupt mit der auf einer Trennung von Subjekt und Objekt beruhenden Methodik neuzeitlicher Wissenschaft? Was käme heraus, wenn man ökonomische Begriffe und Modelle als Untersuchungsgegenstand betrachtet – statt als Instrumente zur Erkenntnisgewinnung? Dieses Buch versucht eine fundamentale Kritik ökonomischer Theorie, indem es anstelle von Unterschieden zwischen Schulen der Wirtschaftswissenschaft deren verborgene Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt stellt.
Ausgehend von der seit der ökonomischen Klassik immer wieder neu auflebenden – und genauso zuverlässig wieder totlaufenden – Debatte um einen Fall der Profitrate untersucht Hüller die Kategorien von Wert, Preis, Kapital, Profit und Geld. Dabei zeigt er, dass zentrale Begriffsbildungen der Ökonomie mehr zur Verschleierung als zur Erkenntnis gesell-schaftlicher Realität beitragen. Kontroversen zwischen neoklassischen, marxistischen und neoricardianischen Ansätzen erscheinen so als verschiedene Zweige eines gemeinsamen Irrwegs.
Die Analyse verbindet kritische Lektüre von Marx mit modernen wertkritischen Weiter-entwicklungen und einer exemplarischen Auseinandersetzung mit Modellen des ökonomischen Mainstreams. Im Zentrum steht die Frage, welche gesellschaftlichen Folgen der Zwang zur Kapitalverwertung hervorbringt, und warum Versuche, den Profitratenfall aufzuhalten, die Krisentendenzen des Systems nicht lösen, sondern nur verlagern (und ggf. verschärfen) können.
Das Ergebnis ist eine radikale Kritik an den inneren Logiken kapitalistischer Ver-gesellschaftung – und ein Beitrag zur Debatte über die historischen Schranken des Kapitalismus.
Zum Autor
Knut Hüller, geboren 1953 in Linz. Nach sechs Schulen in Deutschland naturwissenschaftliches Studium bis zur Promotion in Physik, gefolgt von Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem chemischen Institut.
Erlebte noch auf dem Gymnasium den Zerfall der 1968er Bewegung und später praktische Wirtschaft als gnadenlose Verteilungskämpfe in einer Firmengruppe. Aus diesem Mix entstand eine spezifische Form kritischer Einstellung gegenüber Strukturen dieser Gesellschaft und insbesondere den Denkstrukturen sogenannter Wirtschaftswissenschaft.
Seit Beginn der 2000er veröffentlichte Hüller in wertkritischen Medien wie exit!, Streifzüge und Wertkritik & Krisentheorie (wertkritik.org) zahlreiche Artikel über den (Un-)Sinn politischer Ökonomie.
In Buchform erschienen: Kapital als Fiktion. Wie endloser Verteilungskampf die Profitrate senkt und „Finanzkrisen“ erzeugt (tredition, Hamburg 2015), sowie ein Streitgespräch mit dem traditionellen Marxisten Klaus Müller: Der Dialog. Ein Gespräch über Sinn und Unsinn der politischen Ökonomie (Mangroven Verlag, Kassel 2023).